Fallbeispiele

Die Veränderungen erfolgten langsam und schonend. Maximal wie es der Huf dem Bearbeiter anzeigt, an welchen Stellen korrigiert werden kann. Keinesfalls wurde der Huf in eine gewünschte Form geraspelt. Die positive Entwicklung ergibt sich im Laufe der Zeit von alleine, bei korrekter Hufbearbeitung. Die Pferde sind während dieser Zeit willig und gerne gelaufen. Das ist eine Grundvoraussetzung, damit natural hoof care funktioniert.

Hinweis für die folgenden Fallbeispiele: Alle Bilder wurden jeweils nach der Bearbeitung aufgenommen.

rechtes Bild (Februar 2019):
Der Kronrand außen hat sich abgesenkt, die äußere Seitenwand ist flach auslaufend  (weghebelnde Wand). Dadurch ungerade Stellung der Fessel, das gesamte Bein unterhalb des Sprunggelenkes ist leicht gebogen. Der äußere Auffußungspunkt der Trachte – Trachteneckpunkt – liegt zu weit unter dem Huf.

linkes Bild (4 Monate später):
Es ist deutlich zu sehen, dass der Kronrand sich aufgerichtet hat. Die äußere Wand hebelt im unteren Drittel immer noch leicht weg, aber die nachwachsende Wand im oberen Drittel wächst korrekt der Hufform entsprechend nach unten. Auch die Zehenrichtung zeigt mittig nach vorne. Die Fessel hat sich sichtbar begradigt.

unteres Bild (April 2016):
Ein völlig deformierter Huf in einer absolut unphysiologischen Hufform. Der Huf zeigt eine extrem steile Zehenwand. Die Trachten sind extrem hoch, dass Pferd hat Trachtenzwang. Die innere Seitenwand (Ansicht Foto) schiebt sich unter den Huf und hat durch das Eisen keine Möglichkeit gerade nach unten zu wachsen. Aufgrund viel zu enger Eisen wurde der Huf immer kleiner und unterentwickelt (u.a. durch eine nicht funktionierende Hufpumpe, Mangeldurchblutung und mangelnde Nährstoffzufuhr). Der Hufmechanismus ist gänzlich außer Kraft gesetzt. Zunächst nur ein leichter Bockhuf bei einem jungen Pferd, der durch einen Eisenbeschlag korrigiert werden sollte. Im April 2016 wurde das Pferd seit 1 Jahr beschlagen. Der Zustand verschlimmerte sich während dieser Zeit, die Eisen wurden abgenommen.

oberes Bild (3 Jahre und 2 Monate später):
Der Huf hat eine harmonische Form bekommen. Die Trachtenhöhe konnte im Laufe der Jahre reduziert werden. Die Zehenwand verläuft flacher nach unten, der gewünschten Hufform entsprechend. Die Hornröhrchen wachsen fast parallel zur Zehenwand. Insgesamt konnte der Huf sich ausdehnen und ist größer geworden. Offensichtlich hat sich der Zustand des Hufes deutlich sichtbar verbessert.

unteres Bild (Mai 2018):
Der Verlauf der Zehenwand ist etwas zu flach, die Trachten werden untergeschoben. Am Übergang Trachtenwand/ Seitenwand ist eine deutliche Ausbeulung nach außen erkennbar, dies führt zu einer weghebelnden Wand. Der äußere Auffußungspunkt der Trachte – Trachteneckpunkt – liegt zu weit unter dem Huf.

oberes Bild (11 Monate später):
Die Trachten haben sich aufgerichtet. Im hinteren Bereich des Hufes hat der Kronrand sich angehoben. Um der hebelnden Seitenwand entgegenzuwirken, habe ich hier mit einer Senke gearbeitet, damit die Wand gerade und ohne Druck nach unten wachsen kann
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unteres Bild (Januar 2019):
Hintergrund: mangelnde Hufpflege, schlechter Ernährungszustand (fehlende Mineralien), vermutlich mangelnde Bewegung. Vor der Erstbearbeitung im Oktober 2018: sehr flach auslaufende und stark weghebelnde Wände rundum. Zehe und Wände waren viel zu lang, wodurch diverse Risse und Ausbrüche in der Hufwand/Tragrand entstanden sind, bis in das innere Wandhorn hinein.

oberes Bild (5 Monate später):
Durch begradigen der weghebelnden Wände und Bearbeitung in kurzen Abständen (3-4 Wochen) konnte der Riss ohne weitere Komplikationen herauswachsen. Die neuen Besitzer änderten Haltung, Ernährung und Bewegung des Pferdes. Die sichtbaren Windrisse (oberflächlich) im unteren Drittel des Wandhorns, sind auf den Ernährungsmangel zur Zeit der Hornproduktion und auf die aktuelle Witterung (Trockenheit) zurückzuführen. Durch die weghebelnden Wände ist das Horn nicht mehr fest verbunden, der Tragrand bricht aus. Es gelangen Bakterien in die Zwischenräume, was die Situation verschlechtert. Hier sind kurze Bearbeitungsabstände und häufiges säubern/desinfizieren nötig. Je nach Nutzung des Pferdes würde ich Hufschuhe empfehlen.

Hinweis für die folgenden Fallbeispiele: Auf den Bildern ist der gleiche Huf vor und nach der Bearbeitung zu sehen.

oberes und rechtes Bild (vorher):
Der Huf wurde eine Woche zuvor von einem Schmied bearbeitet. Auf Nachfragen der Besitzerin hieß es, mehr könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen. Der Huf zeigt rundherum einen sehr deutlichen Wandüberstand, weghebelnde Wände sind unweigerlich die Folge. Nicht nur das diese dem Pferd beim Auffußen schmerzen, der Hufmechanismus ist ebenfalls nur noch eingeschränkt möglich. Zudem können die Wände irgendwann dem Druck nicht mehr standhalten und brechen aus. Die Trachten werden durch die zu lange Zehe untergezogen. Die seitlichen Strahlfurchen wurden nicht freigeschnitten.

linkes Bild (nachher):
Ich habe den Wandüberstand deutlich gekürzt und die weghebelnden Wände soweit wie möglich von außen begradigt. Durch regelmäßige Hufbearbeitung kann der Huf gerade – wie im oberen Drittel sichtbar – nach unten wachsen. Um die korrekte Fußung zu begünstigen und den Druck von der Seitenwand zu nehmen, habe ich mit einer Senke gearbeitet. Dies wird sich auch positiv auf die Trachten auswirken. Die Strahlfurchen habe ich freigeschnitten (leider gibt es kein „nachher Bild“ der Sohlenansicht).

rechtes und unteres Bild (vorher 26.6.19):
Hintergrund: betagtes Rentnerpferd mit diversen körperlichen Einschränkungen (chronische Rehe, massive Rückenprobleme, Arthrose, durchtrittig an allen 4 Beinen). In der Vergangenheit wurde sich nicht immer die nötige Zeit genommen auf das Pferd einzugehen, deswegen mangelnde Hufpflege. Der Huf zeigt einen massiven Wandüberstand, weghebelnde Wände und eine viel zu lange Zehe (in der Sohlenansicht gut zu erkennen). Die Trachte ist zu hoch und untergezogen, an den Auffußungspunkten nach innen eingeklappt. Der Strahl ist durch mangelnden Druck verkümmert und faul. Der Hufmechanismus ist außer Kraft gesetzt, das Pferd hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Schmerzen beim Laufen.

linkes und oberes Bild (nachher 4.9.19):
Es liegen 10 Wochen Abstand zwischen den Bildern. Ich habe die Zehe gekürzt und den Wandüberstand weggenommen, somit die Hebelkräfte im Rahmen des Möglichen ausgeschaltet. Das Pferd kann endlich wieder abrollen. In der Seitenansicht ist zu erkennen, dass der Huf im oberen Drittel deutlich gerader nachwächst. Der Strahl hat sich erholt, er ist größer, fester und belastbarer geworden. Es ist zu erkennen, dass sich ein leichtes Sohlengewölbe von alleine gebildet hat. Die Bearbeitung erfolgte in kurzen Abständen, die Besitzerin säuberte und desinfizierte den Strahl regelmäßig.

Hinweis für die folgenden Fallbeispiele: Auf den Bildern ist der gleiche Huf 2,5 Wochen nach der Eisenabnahme und  9 Wochen nach der Eisenabnahme zu sehen.

unteres Bild (20.7.19):
Das Pferd wurde mit Eisen gekauft, auf Wunsch der neuen Besitzer habe ich die Eisen abgenommen. Der Wallach wurde viele Jahre an den Vorderhufen beschlagen. Die äußere Hufwand ist an den Nagellöchern ausgebrochen. Dies sieht nicht schön aus, beeinträchtigt das Pferd jedoch nicht! Die Besitzer sind meiner Empfehlung nachgekommen, für Geländeritte Hufschuhe zu nutzen. Die ausgebrochenen Wände wurden regelmäßig gesäubert und desinfiziert, damit sich dort keine Bakterien ansammeln.

oberes Bild (9 Wochen nach der Eisenabnahme):
Das Pferd wurde in den letzten Wochen ganz normal mit und ohne Hufschuhe bewegt. Trotz das ich zunächst wenig Horn weggenommen habe, um das Pferd nicht fühlig zu machen, hat sich der Huf sehr positiv entwickelt. Die ausgebrochene Wand ist gänzlich rausgewachsen und die Trachten haben sich sichtbar aufgerichtet. Bei dem linken Huf (schwarzes Bein, unteres Bild) ist gut zu erkennen, dass die zuvor nach innen unter den Huf geschobene Seitenwand nun deutlich gerader nach unten wächst und auch der Auffußungspunkt der Trachte nach hinten verlagert wurde.